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Brenk - Gumbo: Prachtvoll bunt!

Finanziell ist es in in den letzten Jahren immer riskanter geworden ein reines HipHop-Instrumentalalbum zu veröffentlichen, vor allem, wenn es weniger clubtauglich ist, sondern eher was fürs Autoradio. Doch der Österreicher Brenk hat mit „Gumbo“ genau das getan und kann durchaus punkten, mit großer Vielfalt und ausgefeilten Arrangements.


Das Album beginnt mit wabernden relaxten Synthiebässen unter angenehm fiependen Flächen oder ruhigen Streichern, alles in Fahrt gebracht mit groovigen, doch zurückgenommen Drums. Später kommen dann Lowtempo Elektro-Bluesrock-Nummern, Straßenstandards, Schmusepop und ein Crimson & Clover-Revival dazu, was eine prachtvoll bunte Mischung ergibt.

Brenk zaubert anspruchsvolle Soundcollagen, die unwahrscheinlich viel Liebe zum Detail beweisen. Alle vier Takte hört man etwas Neues. Es ist ein Album zum ganz genau hinhören entstanden, aber genauso auch zum drüber weg oder nebenbei hören. Mit 40 Dingern ist das Album zwar ein bißchen zu lang, um ihm durchgängig konzentriert lauschen zu können, doch auch im StandBy-Modus lässt sich die Lockerheit der Stilverschmelzungen noch locker genießen. Und das ist in höchstem Maße ein Drahtseilakt, den Brenk jedoch mit künstlerischer Bravour meistert.

1 Kommentar 4.7.08 21:33, kommentieren

Maeckes und Celina - Kunst über Vernunft: Die Kunst siegt!

Das Konzept von „Kunst über Vernunft“ ist mit nichts vorher Dagewesenem in der weltweiten Musikhistorie zu vergleichen. Ein Mann und eine Frau, beides Musiker, sind ein Paar und machen nie Musik miteinander. Sie trennen sich und beginnen Musik miteinander zu machen. Sie thematisieren die gescheiterte Beziehung. Dock keine Angst. Wer hier bilige Gefühlsduseleien erwartet ist auf dem Holzweg. Das Album ein Paradebeispiel dafür, wie man mit Leichtigkeit emotionale Schwere performt ohne belanglos zu werden, denn alle aus der Trennung von Maeckes und Celina resultierenden Emotionen und Gedanken scheinen völlig natürlich und unverkrampft aus der Feder der beiden Protagonisten geflossen zu sein.

Das zehn Songs starke Album ist eine Sammlung von Fragmenten einer schmerzhaften Aufarbeitung auf staubig rohe Traurigkeit im 4/4-Takt. Sieben der Beats gehen dabei allein auf Maeckes' Kappe, der außerdem, und wie immer eigentlich, ohne rhythmische Zwänge die raptechnische Lockerheit in Person mimt und seine lyrische Stärke ein weiteres Gänsehaut erzeugendes Mal unter Beweis stellt. Und wunderbar passend dazu lässt auch Celina ihre gefühlvollen Parts einfach fließen, egal ob auf englisch oder auf deutsch.

Beide schaffen es, die ungeschminkte Wahrheit über ihre Gefühle durch die sprachliche Blume ohne Fremdschamanfälle auszudrücken. Dafür an dieser Stelle danke, ich hatte im Vorfeld wirklich Angst, dass der Hörer bei einer solchen Thematik da nicht drum herum kommen wird. Doch „Kunst über Vernunft“ hat die im Deutschrap wirklich seltene Fähigkeit, einen bei wirklich jedem einzelnen Durchlauf immer wieder in die gleiche mitfühlende Stimmung zu verstzen. Und genau diese Nachhaltigkeit macht das Album neben seinem Konzept zu einem wirklich großen, künstlerischen Album.


1 Kommentar 6.7.08 13:02, kommentieren

Franky Kubrick - Dramaking: Der Geschichtenerzähler

Franky Kubrick bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die er verdient. Schon seit der Jahrtausendwende war sein Storytelling eines der besten in dieser Nation, doch den verdienten Erfolg erntete er nie. Hauptsächlich Labelprobleme macht ihm das Leben schwer. Doch nur bis zu dem Tag, an dem der King Of Rap Kool Savas ihm bei Optik Eintritt gewährte und ihm bis heute die bestmögliche Betreuung zukommen lässt, zu der sein kleines Label in der Lage ist. So here it is, das lang erwartete neue Album des Dramakings.


Und wer Frankys Musik kennt, der weiß, dass ihn nichts weiter als exzellentes Songwriting erwartet. Und Franky geht auf diesem Album im Vergleich zu seinem Mixtape „Moneyfest“ dabei festen Schrittes in Richtung Ernsthaftigkeit und künstlerischem Mehrwert. „The Message“ hätte dieses Album auch heißen können. So wirkt „Dramaking“ auch trotz einiger monströser Durchdreher im Ganzen eher ruhig und nachdenklich, was auch gut so ist, denn das gibt der nie bezweifelten Persönlichkeit Frankys den notwendigen Raum sich frei zu entfalten.

Und er entfaltet sich, mit seiner in den letzten Jahren immer wärmer gewordenen Stimme, wie gewohnt offen und ehrlich. Dabei ist er nie frei von Selbstkritik, aber immer frei von Selbstmitleid. Franky Kubrick ist und bleibt einfach ein sympathischer Dramaking, dem man gerne bei der Schilderung seines Hustles zuhört.

Da ich hier keine Song-für-Song-Analyse starten will, von mir nur der weise Rat: Hört euch das Teil selbst an, es lohnt sich. Doch kauft es euch! Denn 11.000 Downloads innerhalb der ersten Woche sind eine absolute Frechheit! Dieses Album gehört zwingend gekauft!


Gib Ihnen was sie hören wollen


Im Herz feat. Xavier Naidoo


Keiner Weiss


Press Rewind

1 Kommentar 18.7.08 16:11, kommentieren

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